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 Aktuelle Tagespolitik
Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

05.01.2012 09:44
RE: Die Messer zum finalen Stich sind gewetzt! antworten

Sie haben ihre Messer über Weihnachten gewetzt und wollen nun den finalen Stich!

Bei der ersten Meldung über Herrn Wulffs Kreditgeschäfte und seine grenzwertige Auskunft im Niedersächsischen Landtag dachte ich auch zunächst, dass nun das Ende der Amtszeit eingeläutet sei. Ich dachte an das System Merkel und ihre Art, sich ihr Personal auszusuchen. Dabei kam mir in Erinnerung wie sehr die Parteien ihre Interessen im Auge hatten, als es darum ging, die Bundesversammlung auf den jeweiligen Kandidaten einzuschwören.

Auch von den Medien war damals nichts Staatstragendes zur Personalfrage zu hören. Im Gegenteil, sie beteiligten sich an parteilichen Mehrheitsspielchen. Das ist ihre Welt. Die Welt der Seilschaften zwischen Spitzenpolitikern, Chefredakteuren und Verlegern. So schuf man dann auch einen zu Guttenberg. Obwohl er inzwischen auch via Strafbefehl und Universitätsurteil sein rechtswidriges Verhalten schriftlich erhalten hat, fragen sie ständig nach seiner Wiederkehr. Nicht mehr alle und nicht mehr so deutlich, aber doch in vorderster Front.

Ganz anders beim Bundespräsidenten. Da geht es um Fragen des politischen Stils und seiner öffentlichen Kommunikation, was die Journalisten nicht daran hindert, Vokabeln des Strafrechts zu verwenden. Von Begnadigung wird so selbstverständlich gesprochen wie von Bewährungszeit, so als sei eine Straftat abgeurteilt. Das ist kein Zufall. Zum Handwerkszeug der Journalisten gehört die Verwendung von Sprache und sie wissen genau um die Wirkungen, die von einzelnen Begriffen ausgehen. Sie wissen, welche Stimmungen beim Publikum dadurch entstehen. Und dann verwenden sie auch die „kompetenten“ Stimmungen dieses Publikums in ihrer Beweisführung. Sie verlangen dann auch gebetsmühlenartig nach Aufklärung, obwohl alle Fragen, die sie stellten, beantwortet wurden. Doch hinter allem steht die versteckte Aufforderung an den Bundespräsidenten, dass er zurücktreten solle. Das ist die eigentliche Frage und sie erwarten eine ganz bestimmte Antwort. Ist das ihre Aufgabe? Ist das die Freiheit der Presse, die unser Grundgesetz meinte? Nein! Sie sollen informieren, kommentieren und nichts mehr! Sie sollen sich nicht als politische Kraft verstehen, die ein eigenes Programm zu verfolgen hat.

Dieses „Programm“ aber ist nicht von hehren und moralischen Zielen bestimmt, sondern von einem Markt, auf dem man möglichst viel Umsatz erzielen möchte. Und damit das auch gelingt, wird dieser Markt gepflegt und vorbereitet. Da werden die Menschen angefüttert, damit sie anschließend die Haken schlucken, die ihnen serviert werden. Und da ist dann auch wieder diese Anglergemeinschaft zwischen Medien und ihren Parteien, die sich gegenseitig interessenorientiert benutzen. Sie reden vom hohen Rang eines Amtes, das man nicht beschädigen dürfe und sind doch dabei gerade dies zu tun. Der Bundespräsident kommt da gerade richtig. Alles was das Volk an Aufrichtigkeit und Ehre in der Tagespolitik vermisst, das projizieren sie in den Bundespräsidenten. Er soll alle diejenigen Tugenden verkörpern, zu denen sie selbst nicht fähig sind. Er soll gar das Königshaus ersetzen, um das man die anderen gelegentlich bei deren Fernsehauftritten beneidet. Dort aber wird bei keinem „Skandal“ zurückgetreten.

Aber zurück zu Medien, die gerne ihre eigenen Themen und Dauerbrenner entwerfen und heiß halten. Ein Rücktritt wäre doch ein willkommener Anfang für eine neue Personaldiskussion, mit dem man vielleicht auch die drohende Sommerpause wieder überbrücken kann, bis dann der Bundestagswahlkampf genügend Stoff liefert. Man könnte auch Munition für einen Rücktritt der Regierung laden, was noch spannender wäre. Das Thema Wulff könnte sich schnell erschöpfen und dann käme die Durststrecke.

Wie viel mehr gäbe es bei der BILD-Zeitung an strafrechtlich und moralisch Fragwürdigem zu recherchieren. Doch da erweisen sich die Journalisten als wenig freiheitliche Presse. Da trauen sie sich nicht so munter immer wieder nach vermeintlicher Aufklärung der Hintergründe zu fragen. Sie sind gerne stark, wenn sie den Gegner schwach wähnen. Nur um das am Ende auch noch zu erwähnen, bevor mir übel wird.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. “
Mahatma Gandhi

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