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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 95 mal aufgerufen
 Aktuelle Tagespolitik
Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

24.09.2011 16:32
RE: Jeder möchte sein Stückchen vom Papst! antworten

Jeder möchte sein Stückchen vom Papst!

Die Hände recken sich nach ihm und jene, die von ihm gedrückt werden, fühlen sich erhoben. Die ihm nahe kommen reden auf ihn ein und wollen ihm unvergesslich sein. Ist das auch ein bisschen Eitelkeit? Sehe ich den Umfang solcher Kontakte an einem Tag und über die Tage des Deutschlandbesuchs hinweg, dann kommt es mir mitunter herzlos und egoistisch gegenüber einem Mann vor, der neben dem Amt auch sein hohes Alter zu tragen hat.

Doch ich sitze auch als Gaffer vor dem Fernseher und warte auf jedes neue Wort, jede Geste, jedes Gebet, jeden Gedanken, der mir eine Antwort sein könnte und mir neue Fragen stellt. Ich höre das Glaubensbekenntnis und frage mich nach meinem Bekenntnis. Je älter ich werde, umso schwieriger werden diese Fragen. Kann ich mir von einem alten Mann da Antworten erwarten? Ganz sicher kann ich das!

Warum werden die Fragen schwieriger? Sie werden schwieriger, weil sie in den Problemen komplexer und untereinander als vielfältiger verbunden gesehen werden. Die Oberfläche ist größer geworden und meist bewegen wir uns an dieser Oberfläche. Da drängen sich die Meinungen und ringen miteinander, wollen sich behaupten und durchsetzen. Die Antworten und Lösungen sollen gerecht sein und jeder verkündet seine Gerechtigkeit.

Ich sehe im Papst einen Mann vor mir, der sich nicht in erster Linie in der Rolle des Entscheiders für diese Oberfläche sieht. Er sieht seinen Auftrag darin, auf den Kern und Quell aller Gerechtigkeit zu verpflichten, der als Wahrheitsbotschaft geglaubt werden kann. Im Kern ist es die göttliche Botschaft der Liebe, von der wir uns getragen sehen können und die uns hilft, Antworten zu finden. So sind wir nicht entlassen aus der Verantwortung, unsere Antworten mühevoll zu suchen und sie dann zu bekennen. Er gibt mir also keine fertige Antwort, die ich kopieren und als die meinige vertreten könnte. Die Antwort, die ich mir nun erwarten kann, ist die einer Orientierung. Der Papst hat mir als Nicht-Katholiken mit seinem Besuch einen Leuchtturm aufgestellt und mich zur Besinnung auf das Wesentliche ermahnt. So hat er mich ermahnt, mit mir und der Welt kritisch zu bleiben und doch darauf zu vertrauen, dass die Liebe und die christliche Glaubensbotschaft im Respekt vor allen Religionen die gemeinsame Antwort sein wird.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. “
Mahatma Gandhi

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Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

25.09.2011 18:10
#2 RE: Jeder möchte sein Stückchen vom Papst! antworten

Über das Fernsehen war ich nun bei allen Auftritten des Papstes und werde heute noch seine Abschlussrede in Freiburg hören. Mir ist vieles in diesen Stunden durch den Kopf gegangen und ich habe auch versucht, in den Gesichtern zu lesen um vielleicht auch das Gemeinte und Nichtgesagte zu hören und zu verstehen. Und wieder habe ich erkannt, dass ich die Perspektive eines alten Mannes habe, der seine Träume zwar noch nicht ganz verloren hat, doch mehr auf sie zurückschaut, als dass sie noch zur eigenen konkreten Zukunft zählen.

Ganz anders waren da die Gesichter der jungen Leute. In ihnen habe ich die Zuversicht gesehen, die eine gute Zukunft braucht. Sie waren nicht einheitlich nur auf Event-Stimmung unterwegs. Sie waren nicht nur oberflächlich. Sie strahlten mitunter eine freudige Unbefangenheit aus. Und sie waren respektvoll, sowohl im Berliner Olympiastadion als auch in Erfurt und in Freiburg, besonders bei der Abendandacht. Das hat mich beeindruckt und zuversichtlich gestimmt.

Wenn der Papst auch sie erinnern wollte, dass es einer tiefen Glaubenswahrheit bedarf, die den Kern des Lebens ausmacht, dann hat er daran gut getan. Nur ein stabiler Kern kann eine sich wandelnde Oberfläche tragen. Sie, die jungen Leute, werden dieser Oberfläche ein Gesicht geben, das von innen her strahlen wird. Sie werden in der Freiheit ihrer Verantwortung ihrer Kirche und ihrer Welt ein Gesicht geben. In der Gewissheit ihres Glaubens werden sie die Liebe und Toleranz leben können, die jeden Menschen gleich welchen Bekenntnisses und welcher Ausrichtung in seiner Würde respektiert.

Und noch eines hat mich beschäftigt:
Wenn wir vom Christengott sprechen, dann übertragen wir solche menschlichen Kategorien wie Herrschaft und das Oben und Unten hinein, zumindest in unseren Worten. Ich glaube, dass das Göttliche sich nicht in diesen Dimensionen bewegt, sondern alles Sein durchdringt und in unserer Mitte wohnt. So ist mir das Bild vom Weinstock und den Reben das liebste, auch wenn es gleich nur ein Bild ist.

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Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

25.09.2011 18:11
#3 RE: Jeder möchte sein Stückchen vom Papst! antworten

Sie werden über ihn herfallen nach dieser Freiburger Rede und sich bemühen, ihn misszuverstehen, denn er hat von ihnen Ungeheuerliches verlangt. Sie mögen sich ändern, sie mögen auf Privilegien verzichten und die Kirche „entweltlichen“. In ersten Kommentaren war schon zu hören, dass er damit wohl gemeint haben könne, dass sich die Kirche zurückziehen solle aus der weltlichen Hilfe. Dabei sagte er doch gerade, dass er das Gegenteil meine. Die Hinwendung zu den Menschen müsse eine auf Christus bezogene sein. Dabei versäumte er nicht zu erwähnen, dass dieser Prozess der Hergabe weltlicher Güter als ein Prozess der Entweltlichung für die Kirche heilsam gewesen sei. Stellte er sich nicht damit auch ein wenig in das Wollen Luthers? Er begann seine Rede mit der Wiedergabe eines Gesprächs mit der seligen Mutter Theresa, die auf seine Frage, was man in der Kirche ändern müsse, antwortete: „Wir beide müssen uns ändern.“ Ich habe seine Rede als einen Appell zu mehr Wahrhaftigkeit verstanden und zur Ehrlichkeit im Umgang mit dem eigenen Glauben. Dafür bin ich ihm dankbar!

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Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

26.09.2011 10:16
#4 RE: Jeder möchte sein Stückchen vom Papst! antworten

Nachfolge – aber wem?

Da lese ich „Der Papst geht, die Probleme bleiben!“. Welche Naivität steckt denn hinter einer solchen Schlagzeile? Sie haben sich dabei fast überschlagen, vorher zu formulieren, welche Probleme der Papst alle für sie lösen solle. Zum Politiker und absolutistischen Monarchen haben sie ihn gemacht. Vielleicht sollte er auch so etwas wie ein Heilsbringer sein, der alle Probleme in Kirche und Gesellschaft mit einem Federstrich oder auch nur einem Wort lösen könne.

Und doch hat er nur an diesen Jesus Christus erinnert, der alle Macht wirklich gehabt hätte und sie nicht ausübte. Vielleicht nicht für jeden sofort verständlich, doch eigentlich unmissverständlich hat er appelliert an die Wurzeln des christlichen Glaubens, und dass sie nicht in die Beliebigkeit gestellt und zur politischen Verhandlungsmasse gemacht werden können. War das nicht Orientierung genug?

Natürlich muss in der Gesellschaft und innerhalb der christlichen Gemeinschaft um den besten Weg gerungen werden, der die Glaubensbotschaft in die heutige Zeit übersetzt. Da sind wir alle gefordert. Es sind aber nicht die schnellen Lösungen, die einer Tagesmehrheit entsprechen, von denen wir wirklich Hilfe erwarten können.

So hat der Papst den Auftrag seines Amtes erfüllt, der Fels zu sein, der daran erinnert, wo der gemeinsame Anker gegründet ist. Auch als evangelischer Christ kann ich daraus etwas lernen und wenn es nur dies ist, dass es sich lohnt, darauf zu achten, was die „Christus-Nachfolge“ für das eigene Leben bedeuten könnte.

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