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 Aktuelle Tagespolitik
Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

22.02.2011 17:23
RE: Täuschung als gesellschaftliches Prinzip? antworten

Es ist zunächst einmal ein Phänomen, dass ein der Täuschung und Lüge überführter Politiker dennoch immer noch auf große öffentliche Zustimmung stößt. Reineke Fuchs wäre stolz auf ihn gewesen.

Erst sind die Vorwürfe abstrus, dann sind es kleine Fußnotenungenauigkeiten, dann sind es doch gravierende Fehler. Solche Selbstkorrekturen erfolgen im Stundentakt. Jedes Mal war das vorangegangen Gesagte als Lüge eingestanden. Alle diese Fehler seien unbewusst geschehen, erklärt ein Verteidigungsminister.

Alles dies ist Täuschung, vielleicht sogar ein Stück Selbsttäuschung!

Und eine breite Öffentlichkeit klatscht Beifall?

Das ist nur folgerichtig. Der moderne Alltag besteht zum großen Teil aus Täuschung. Täglich werden alle durch die Werbung über Wahres getäuscht und als möglichst kritiklose Konsumenten geformt. Da wird eine Hochglanzwelt suggeriert, in der man sich als Teil einer Massenbewegung empfinden soll und durch sie als Einzelner gleichzeitig hervorgehoben wird.

Schon die Schüler lernen, dass es auf das Präsentieren möglichst mit Powerpoint ankommt. Selbst die belanglosesten Inhalte sollen als wirklich Großes wirkungsvoll in Szene gesetzt werden. Und ein Guttenberg ist das Ergebnis einer solchen Hochglanzinszenierung.

In der jetzigen „Krise“ wird er als einer wie DU und ICH gesehen. Wer hat nicht schon einmal abgeschrieben oder auch gelogen. Das ist doch menschlich. Wer ihn verurteilt, der verurteilt sich doch auch selbst. Das mögen die Gefühle sein, die seine Jubelgemeinde empfindet. Natürlich will auch kaum jemand eingestehen, dass es vielleicht ein Fehler gewesen sein könnte, wenn man sich hat blenden lassen, von einem so ganz anders auftretenden Politiker.

Sicher hatte er eine andere Gangart als sein Vorgänger. Dieser Kontrast war es vielleicht, der dabei geholfen hat. Es ist schon sonderbar, wenn man sich erinnert, aus welchen Gründen Jung gehen musste und niemanden empörte das wirklich. Guttenberg nannte den Afghanistan-Einsatz „Krieg“. Aber auch er führt ihn noch immer. Welche wirklichen Verdienste zeichnen ihn also aus? Bei jedem seiner Fehlurteile hat er andere als Schuldige gefunden und zu Opfern gemacht. Jetzt bliebe ihm nur noch zu erklären, dass er die Dissertation gar nicht selbst geschrieben und nun erst wirklich selbst gelesen habe. Das tut er nicht, denn dann machte er sich zum Opfer.

Unsere Gesellschaft sollte am Fall Guttenberg vielleicht auch über sich nachdenken, damit sie nicht selbst zur Abschrift einer Hochglanz-Präsentation wird.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. “
Mahatma Gandhi

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