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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Ich mache weiter!
Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

12.01.2008 18:45
RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten

Was noch keinen Platz gefunden hat auf meiner HP oder was Mitglieder und Gäste mal einstellen wollen, das könnte unter diesem Thema stehen.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. “
Mahatma Gandhi

www.falk-dautphetal.eu

Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

13.01.2008 10:19
#2 RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten

Heiligendamm-Kultur
oder
Leben im Camp

Ach sein wir doch mal eben schnell ein bisschen intellektuell.
Und mit ‚nem breitem Grinsen geht hier alles in die Binsen.
Es geht ja um die Dritte Welt und auch ums liebe Geld.
Zählt endlich mal bis vier, denn in der Welt, da leben wir.
In unsrem Wolkenkuckucksheim, da richten wir uns häuslich ein.
Fragt: Wer hat bei diesem Gipfel denn nun den längsten Zipfel?
Und dann alle ab zum nächsten Bush - husch, husch!

Gerhard Falk


Anlass: G 8-Gipfel 2007

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. “
Mahatma Gandhi

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Gerhard-Falk Offline



Beiträge: 546

13.02.2008 10:44
#3 RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten



Foto: Gerhard Falk

Zuversicht

Wie oft wurde ich auf den Strand gezogen,
wie oft bin ich über die Wellen geflogen,
wie oft kam ich schwer beladen nach haus,
wie oft musste ich früh am Morgen hinaus,
wie oft wird man noch an mich denken,
wie oft noch einer den Weg zu mir lenken?

Doch eines ist sicher, ich vertraue darauf,
es war für mich eine gute Zeit - die vergangen.
Es wächst aus dem Sterben ein Neues herauf.
Sieh nur hin, denn die Saat ist aufgegangen.

[color=black]Gerhard Falk
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"Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt."
Mahatma Gandhi

Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

18.02.2008 12:22
#4 RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten

Wertediskussion

Was ist Leistung, was sind Werte?
Kleiner Mann, der sich beschwerte,
soll den Gürtel enger schnallen,
Aktienkurse könnten fallen.

Und das kostet Arbeitsplätze,
sind die neusozialen Sätze.
Leistungsträger müssen her,
Wachstum immer mehr und mehr.

Raffgier kennt jetzt keine Grenzen,
Managers Gehalt ist zu begrenzen?
Diskussion zum Mindestlohn,
klingt da eher wie ein Hohn.

Globalisierungssonne lacht.
Jeder will jetzt an die Macht.
Und was haben wir davon?
Die neue Wertediskussion!

Gerhard Falk

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Gerhard-Falk Offline



Beiträge: 546

06.03.2008 08:53
#5 RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten

Der Brötchendieb
von
Gerhard Falk


Eigentlich ist es ein Samstagmorgen wie jeder andere. Auf dem Weg zur Bäckerei mischt sich die kühle Morgenluft mit den ahnungsvollen Düften des nahen Frühlings. Der Schritt ist beschwingt, die Gedanken fliegen.

Wie jeden Samstag, an dem alle frische Brötchen wollen, stehen im Laden die Leute schon in mehreren Reihen vor der Theke. Sie sind guter Stimmung. Es werden nicht nur die Bestellungen aufgegeben sondern auch die Neuigkeiten der Woche ausgetauscht. Zwischen den Bäckersleuten und den Kunden fliegen die Worte hin und her. Auch untereinander ist die Kundschaft in reger Unterhaltung. Tüten wandern über die Theke.

Der Laden ist durchströmt von frischem Backgeruch. Oh, wie ich diesen Duft liebe. Schon in einiger Entfernung zum Laden wird man vom Duft der Backstube empfangen, der die Straße entlang zieht. Als junger Student hatte ich einmal ein Zimmer in so einem Bäckerhaus. Bei Bäcker Wellbrook nahe der Nordseeküste war das. Dick und wortkarg war er, aber in seinem Hause wehte dieser unvergleichliche Duft. Hier aber stehen vor mir junge Bäckersleute, schlank und gesprächsfreudig. Doch dieser wunderbare Duft, der ist der gleiche.

Während ich so vor mich hin träume rücken die Reihen langsam nach vorne, bis ich meine Bestellung loswerde. Ich vergewissere mich noch kurz auf dem Einkaufzettel, der mir zuhause immer mitgegeben wird, – sicher ist sicher. „Zwei Spitzbrötchen und zwei Weltmeister wie immer und heute noch zusätzlich: zwei Hornspitz, eine Platte Johannisbeerstreusel, ach ja, und noch einen großen Elsässer“. Noch während ich bestelle, greifen flinke Hände schon in die Regale. Alle feinen Sachen wandern nach und nach in verschiedene Tüten, die sich auf der Theke vor mir sammeln. Zwischendurch hole ich noch kurz einen Quark aus dem im hinteren Ladenteil stehenden gekühlten Schrank mit Glastüre. Zurück an der Theke verschwindet schon mal ein Teil der Tüten in meine Einkaufkaufsbeutel. Alle im Laden sind in Aufbruchstimmung für ein schönes Wochenendfrühstück. Schnell noch bezahlen, die Kunden drängen schon nach, auch neben mir stehen ja noch zwei, die parallel bedient werden. „Danke, ein schönes Wochenende“. „Ja danke, Grüße an ihre Frau, es geht ihr wieder besser?“ „Ja, danke! Tschüß“. Ich bin mit meinen Beuteln wieder draußen.

Flott geht der Weg zurück, den Berg hinauf. Drinnen wird schon auf mich gewartet. Der Kaffee steht auf dem Tisch. Die Brötchen- und Kuchentüten landen in der Küche. Das Frühstück kann beginnen.



Die ganze duftende Pracht liegt nun im Körbchen: zwei Spitzbrötchen, zwei Weltmeister, drei Brötchen, die wir „normal lang“ nennen. „Du meinst es heute aber gut mit uns“, lächelt sie zu mir herüber. Meine Frau hat zu den Brötchen ganz sicher eine fast liebende Beziehung. Sie hält sie gerne vor dem Aufschneiden an die Wange, wenn sie noch warm sind. „Wieso?“, frage ich zurück; ich habe doch nur nach dem Zettel eingekauft, denke ich verwundert.

„Nein, nein“, sagt sie, „die drei hier standen nicht drauf. Hast du die zusätzlich mitgebracht?“. „Zusätzlich?“, verwundert geht mir alles durch den Kopf, was sich da heute morgen im Laden abgespielt hat. Da schießt mir plötzlich in meine Erinnerung, dass neben mir ein Mann ebenfalls bedient wurde und auch in der Gegend herumschwätzte wie ich. „Upps, ich glaube ich habe die Brötchen vom Nachbarn mit eingepackt“, gestehe ich mit leicht rot werdendem Gesicht ein. „Brötchendieb“, stellt sie kurz mit verschmitztem Grinsen fest. Das Diebesgut lag schon auf dem Teller, in der Mitte durchschnitten, mit Marmelade versüßt, und ein deutliches Knuspern und Schlecken macht jetzt alles endgültig. „Da komme ich nicht mehr raus“, stelle ich resignierend fest, „gut, dann frühstücken wir erst mal, und dann muss ich wohl beichten.“ Kein Gedanke heute an eine Zeitung, in der sowieso nur wieder über die Steuersünder berichtet wird. Selbstanzeige, schießt es mir durch den Kopf. Möglichst schnell und bevor erste Fahndungen laufen.

Mit einem Satz bin ich am Telefon und rufe den Bäcker an, beichte meine unfreiwillige Missetat und sehe ihn auch durch das Telefon breit grinsen. „Selbstanzeige?“, meint er, „die kommt wohl zu spät. Die Ermittlungen laufen schon!“ Der andere Brötchenkunde habe ganz verdutzt plötzlich gefragt, wo denn seine Brötchen geblieben wären. Der Bäcker erspart mir hier am Telefon nähere peinliche Erörterungen und Mutmaßungen der Kundschaft. Er habe einfach drei neue eingepackt und so die Sache geregelt. „Am Montag“, so versichere ich, „werde ich die drei Brötchen natürlich sofort bezahlen. Und wenn ich mit einem gemeinnützigen Dienst in der Backstube davon komme, dann ist mir das nur recht.“ Dass ich nichts lieber hätte als eine solche Verurteilung, sage ich natürlich nicht, denn schon wieder zieht mir dieser unvergleichliche Duft der Backstube durch die Nase.


(2/2008)

"Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt."
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Gerhard Falk Offline




Beiträge: 437

01.06.2009 12:13
#6 RE: Kurzgeschichten und Gedichte antworten

Lisa und die Nachtfalter
von
Gerhard Falk



Eigentlich wollte sie sich nicht mehr an Anthologien beteiligen und schon gar nicht zum Thema „Nachtfalter“. Eigentlich wollte sie sich nicht mehr sagen lassen, dass „eigentlich“ ein unwillkommenes Füllwort sei, und dass man zwei Sätze hintereinander nicht mit demselben Wort beginne. Doch jetzt saß sie trotzdem wieder an ihrem „Läppi“ und tippte ein Wort nach dem anderen. Das war wie in der Schule, wenn wieder einmal ein Aufsatz geschrieben werden sollte. Sie mussten dann zu einem Begriff, einem Thema oder irgend so einer schwachsinnigen Idee ihrer Deutschlehrerin Geistreiches aufs Papier bringen. Anschließend zerpflückte sie die Texte öffentlich vor der Klasse und bescheinigte die meist absolute Unfähigkeit. Natürlich waren auch die meisten Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht beachtet worden, wie sie auch hier im Forum eingefordert wurden. Zu ihren doofen Themen konnte man aber nur Doofes schreiben. Lisa atmete tief durch. Deswegen war sie ja in ein Forum geflüchtet und hatte dort mitgeteilt, dass sie demnächst ihren ersten Roman schreiben werde. Sie hatte da ganz tolle Ideen. Nachts schwirrten sie in ihrem Kopf herum. Wie Nachtfalter?

Lisa stellte das Tippen ein, sank in ihren Sessel zurück und glaubte, nun doch zum Thema gefunden zu haben. Aber Nachtfalter, das waren doch so farblose, kleine, fette Dinger, die von Fledermäusen gefressen wurden. Im Sommer sausten die Fledermäuse immer in der Dämmerung über der Wiese hinter dem Haus. Sicher jagten sie auch nach Nachtfaltern. Jetzt war es Winter, und die Fledermäuse hingen irgendwo unter einem Dach oder in einer Höhle von der Decke. Sie war einmal in so einer Höhle gewesen. Der Gestank des Fledermauskotes stach ihr bei dem Gedanken noch immer in der Nase. Diese Biologieexkursion war ihr richtig zuwider gewesen. Klar sahen die kleinen Biester ganz niedlich aus. Doch bei diesem Gestank war ihre schwache Liebe gleich erloschen. Sie konnte die anderen Mädchen in der Klasse nicht verstehen, die meinten, dass sie ja so süß seien.

Lisa stand auf, um sich den Brockhaus aus dem Schrank zu holen. In der Glastüre sah sie kurz ihr Spiegelbild. Du siehst auch aus wie ein Nachtfalter: farblos, fetter Rumpf, Scheiße eben. „Nacht“, stand da, sei der Zeitraum vom Untergang bis zum Aufgang der Sonne. Dahinter gleich „Nachtblindheit“, eingeschränkte Sehfähigkeit. Und nach „Nachtgleiche“ las Lisa „Nachtigal“. Das sei ein Arzt und Afrikareisender gewesen, stellte sie überrascht fest, und hatte eigentlich einen Vogel erwartet, der aber gleich danach in ihren Blick flatterte. Natürlich schreibt man ihn mit zwei „l“.

Zu einer Nachtigall würde ihr viel mehr einfallen können, als zu einem Nachtfalter, den es unter diesem Namen im Brockhaus wohl nicht gab. Unter „Falter“ sah Lisa nun nicht mehr nach sondern tippte den Nachtfalter ins Google-Feld des Laptops. Klar, dass es den Nachtfalter bei Wikipedia sofort gab. Gleich 15 verschiedene waren da aufgeführt. Trotzdem hatte sie aber weiter die Nachtigall im Kopf und auch den Afrikareisenden mit nur einem „l“. Afrika, das wäre auch ihr Ding. Da würde sie später ganz bestimmt einmal hin wollen. Ob es in Afrika auch Nachtigallen gab? „Zugvogel“, las Lisa im Wikipedia, und „Nordafrika“ las sie weiter. Was war doch so eine Nachtigall gegen einen Nachtfalter!

Lisa versank in ihrem Sessel. Sie fühlte sich wie eine Nachtigall, die mit ihrem lieblichen Gesang verzaubert. Sie würde auch gerne leicht hinaufsteigen in die Lüfte und singend die Welt verzaubern. Singen eigentlich nur die Nachtigall-Männchen? Egal! Sie ließ sich mit geschlossenen Augen empor tragen und flog über Frankreich und Spanien davon nach Nordafrika.

Der unvermittelt anspringende Lüfter des Laptops holte Lisa zurück. Sie empfand das so, als falle sie dick und fett vom Himmel in ihren Sessel. Als sie neulich in einem Fastenforum unterwegs war, da schien es ihr, als ob alle übergewichtig wären und sich wie fette Nachtfalter fühlen. Schnell war sie da wieder abgehauen. In ihrem Literaturform fand sie Zuflucht. Da wollte sie sich ausleben und sich ihre kleine bunte Welt zusammenschreiben. Doch an dem Nachtfalter konnte sie nun wirklich nichts Buntes und schon gar nichts Erotisches finden. Urplötzlich sah sie wieder diese Dinger nachts auf die Windschutzscheibe klatschen, als sie im vergangenen Sommer vom Plattensee nach Hause gefahren waren. Abends war es so schlimm, dass sie stehen bleiben mussten, um die Frontscheibe sauber zu machen. Ihr Vater erzählte damals, dass er einmal nachts auf einer Straße entlang der Donau nicht mehr weiterfahren konnte, weil in einem riesigen Schwarm von Insekten die Scheiben total verschmiert waren. Lisa fand diese Erinnerungen einfach nur eklig.

„Nachtschwärmer“ hätte man doch auch sagen können. Oma nannte ihren Vater so, wenn er abends spät nach Hause kam. Jedenfalls sollte sie jetzt ganz sicher irgendetwas über die Nacht schreiben. „Nachts sind alle Katzen grau“, das war auch so ein Kommentar, den Oma immer mal wieder hören ließ. Das kam wohl noch aus der Zeit, als man mit nächtlichen Lasershows, Discos und Parties noch nichts am Hut hatte. Ihre Nacht heute wäre bunt, laut und hell. Und sie sah sich mittendrin als bunten Schmetterling, der die Nacht zum Tag machte, zu einem verzauberten Tag.

Lisa empfand sich plötzlich nicht mehr als einen fetten Nachtfalter. Sie sah an sich herunter. Die knappen Hüftjeans und ihre Rundungen waren doch ziemlich sexy. Jetzt wusste sie auch, dass sie in ihrem Roman mit ihrem Helden in einem alten VW-Bus durch Frankreich und Spanien nach Nordafrika fahren würde. Ganz sicher würden sie dort nachts keine Nachtfalter an die Scheiben klatschen lassen. Sie sah sich am Lagerfeuer sitzen. Und sie würden sich Geschichten erzählen von Nachtigallen und Afrikareisenden.

Copyright 2009, Gerhard Falk

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